Veeam Backup & Replication kann seit Version 12 direkt auf S3-kompatiblen Object Storage sichern – ohne Umweg über ein Scale-Out Backup Repository. Wer dabei auf einen Schweizer Speicherort mit Georedundanz und Immutability setzt, landet schnell beim Swiss S3 Storage von Backup ONE. Dieser Beitrag zeigt Schritt für Schritt, wie du das Repository einrichtest, erklärt das oft missverstandene Konzept der Block Generation und listet auf, worauf du bei der Konfiguration achten musst.
Klassische Backup-Repositories auf lokalen Disks oder NAS-Systemen stossen bei wachsenden Datenmengen an Grenzen – sowohl bei der Skalierbarkeit als auch beim Schutz gegen Ransomware. Object Storage mit S3-API löst beide Probleme: Der Speicher skaliert praktisch unbegrenzt, und mit Object Lock lassen sich Backups unveränderbar machen. Kein Admin und kein Angreifer kann immutable Daten vor Ablauf der Schutzfrist löschen oder überschreiben.
Swiss S3 von Backup ONE basiert auf Dell ECS (Elastic Cloud Storage) und bietet georedundante Speicherung über zwei Schweizer Rechenzentren (Zürich und Genf, über 100 km Distanz – FINMA-konform). Die Daten verlassen die Schweiz nicht, und Object Lock wird nativ unterstützt. Für Veeam wird Swiss S3 als «S3 Compatible» Repository angebunden.
Die Einrichtung erfolgt über den «New Object Storage Repository»-Wizard in Veeam Backup & Replication v13. Hier der Ablauf:
Bevor du loslegst, stelle sicher, dass folgende Punkte erfüllt sind:
Das Repository steht jetzt als direktes Backup-Target oder als Capacity Tier in einem Scale-Out Backup Repository (SOBR) zur Verfügung.
Die Block Generation ist eines der am häufigsten missverstandenen Konzepte bei Veeam + Object Storage. Wer es nicht versteht, wundert sich über unerwartet hohen Speicherverbrauch oder über Daten, die sich nicht löschen lassen, obwohl die Retention längst abgelaufen scheint.
Bei einem Forward Incremental Backup besteht jeder Restore Point aus einem Full Backup plus den nachfolgenden Incrementals. Veeam muss sicherstellen, dass die gesamte Backup-Kette – also Full und alle zugehörigen Incrementals – für die definierte Immutability-Dauer geschützt bleibt. Ein Incremental ohne das zugehörige Full ist wertlos.
Ohne Block Generation müsste Veeam bei jedem neuen Incremental die Immutability aller bestehenden Blöcke in der Kette verlängern. Das erzeugt eine grosse Zahl an API-Requests – und bei vielen S3-Anbietern kosten API-Calls Geld.
Block Generation ist ein Zeitfenster, innerhalb dessen alle Datenblöcke (Full und Incrementals) dasselbe Immutability-Ablaufdatum erhalten. Veeam addiert dieses Zeitfenster automatisch auf die konfigurierte Immutability-Dauer. Du musst nichts konfigurieren – der Wert wird automatisch gesetzt.
Die Standardwerte für die Block Generation sind:
Angenommen, du konfigurierst folgendes Setup:
Die Formel für die tatsächliche Aufbewahrungsdauer lautet:
Tatsächliche Aufbewahrung = Immutability + Block Generation
= 30 Tage + 10 Tage
= 40 Tage
Das bedeutet: Datenblöcke bleiben mindestens 40 Tage auf dem Storage, auch wenn dein Job nur 30 Restore Points vorhält. Planst du deine Speicherkapazität nur für 30 Tage, wird es eng.
Wenn die Job Retention die Immutability-Dauer übersteigt, sieht die Formel so aus:
Tatsächliche Aufbewahrung = Job Retention + Immutability + Block Generation
Beispiel: 30 Tage Retention + 30 Tage Immutability + 10 Tage Block Generation = 70 Tage effektiver Speicherverbrauch.
Wenn am Tag 1 ein Full Backup auf den Storage geschrieben wird, setzt Veeam dessen Immutability auf 30 + 10 = 40 Tage. Alle Incrementals, die in den folgenden 9 Tagen (innerhalb derselben Generation) dazukommen, erhalten dasselbe Ablaufdatum wie das Full. Ein Block, der am Tag 9 geschrieben wird, hat also dasselbe Ablaufdatum wie ein Block von Tag 1. Am Tag 11 startet eine neue Generation – und Veeam verlängert die Immutability der bestehenden Blöcke um weitere 10 Tage.
Dieses Prinzip reduziert die API-Calls massiv: Statt bei jedem täglichen Backup die Immutability aller alten Blöcke zu verlängern, passiert das nur einmal pro Generation (alle 10 Tage).
Bei GFS-Backups (Grandfather-Father-Son) prüft Veeam die GFS-Retention und setzt die Block Generation entsprechend. Für wöchentliche GFS-Backups wird die Block Generation standardmässig angewendet, weil zwischen zwei wöchentlichen Fulls eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass viele Blöcke geteilt werden.
Ein Beispiel: Bei einer wöchentlichen GFS-Retention von 28 Tagen und einer Block Generation von 10 Tagen beträgt die tatsächliche Aufbewahrung 28 + 10 = 38 Tage. Die Block Generation wird dabei jede Woche um 7 Tage reduziert, und eine neue Generation startet, sobald die vorherige abgelaufen ist.
Das musst du bei der Kapazitätsplanung berücksichtigen – besonders bei monatlichen oder jährlichen GFS-Punkten, wo die Block Generation prozentual weniger ins Gewicht fällt, aber bei wöchentlichen Backups den Speicherbedarf spürbar erhöht.
Ein häufiger Fehler: Die Job Retention wird tiefer gesetzt als die Immutability. Beispiel: 14 Tage Job Retention, 30 Tage Immutability. Veeam zeigt in der Konsole nur 14 nutzbare Restore Points an – aber auf dem Storage liegen Daten für 40 Tage (30 + 10 Block Generation). Die «versteckten» Restore Points zwischen Tag 14 und Tag 40 sind zwar vorhanden, aber in der Veeam-UI nicht sichtbar. In v13 gibt es keinen einfachen Weg, diese Punkte für einen Restore zu nutzen.
Die Empfehlung: Setze die Job Retention mindestens gleich hoch wie die Immutability. Wenn du 30 Tage immutable Backups willst, setze auch die Job Retention auf 30 Tage. So sind alle geschützten Restore Points in der UI sichtbar und nutzbar.
Object Lock und Versioning müssen beim Erstellen des Buckets aktiviert werden. Nachträgliches Aktivieren ist bei den meisten S3-Implementierungen nicht möglich. Wenn du einen bestehenden Bucket ohne Object Lock verwendest und später Immutability einschalten willst, musst du einen neuen Bucket erstellen und die Daten migrieren.
Stelle sicher, dass auf dem Bucket keine Default Retention Policy aktiv ist. Veeam setzt die Retention pro Objekt selbst via S3 Object Lock. Eine zusätzliche Default Retention auf Bucket-Ebene kann zu Konflikten führen und im schlimmsten Fall Daten länger halten als erwartet – oder das Löschen verhindern.
Rechne bei der Speicherplanung immer mit der tatsächlichen Aufbewahrungsdauer inklusive Block Generation. Bei Swiss S3 (S3 Compatible) sind das 10 Tage on top. Bei täglichen Backups mit 30 Tagen Immutability musst du also mindestens 40 Tage an Daten einplanen – plus Puffer für wachsende Datenmengen und synthetische Fulls.
Verwende pro Object Storage Repository einen eigenen Folder innerhalb des Buckets. Das vereinfacht das Monitoring und verhindert Konflikte, wenn mehrere Veeam-Instanzen auf denselben Bucket zugreifen. Bei S3-Compatible-Repos empfiehlt Veeam zudem, nicht mehr als einen Bucket pro Scale-Out Backup Repository zu verwenden, da die Metadaten-Verarbeitung sonst langsamer wird.
Wenn dein Veeam Backup Server keinen direkten HTTPS-Zugang zum S3-Endpoint hat (z.B. wegen Firewall-Regeln), konfiguriere einen Gateway Server. Dieser übernimmt die Kommunikation mit dem Object Storage und kann in einer DMZ oder einem dedizierten VLAN stehen.
Aus der Erfahrung mit zahlreichen Veeam-Installationen auf Swiss S3 haben sich folgende Punkte als besonders relevant erwiesen:
Veeam auf Swiss S3 von Backup ONE einzurichten ist technisch unkompliziert – die eigentliche Herausforderung liegt im Verständnis der Block Generation und der korrekten Abstimmung von Job Retention und Immutability. Wer die Formel Tatsächliche Aufbewahrung = Immutability + Block Generation verinnerlicht und die Kapazitätsplanung entsprechend macht, vermeidet böse Überraschungen bei Speicherkosten und Restore-Verfügbarkeit.
Du willst Swiss S3 als Backup-Target evaluieren oder brauchst Unterstützung bei der Konfiguration? Kontaktiere uns – wir helfen dir beim Setup und bei der Kapazitätsplanung.
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