Es beginnt oft harmlos. Ein Kollege löscht „aus Versehen“ einen Ordner im Fileshare. Oder ein Update kippt eine Anwendung aus der Kurve. Oder jemand klickt auf eine Mail, die eigentlich schon beim ersten Hinsehen nach Phishing riecht. Dann folgt diese eine Frage, die in vielen IT-Abteilungen wie ein Reflex kommt:
„Kein Problem – wir haben doch ein Backup, oder?“
Und plötzlich wird es still. Denn was viele im Alltag „Backup“ nennen, ist in Wahrheit etwas ganz anderes: Redundanz, Synchronisation, ein Papierkorb, ein Snapshot – oder schlicht Hoffnung.
Zeit, mit den 10 häufigsten Backup-Mythen aufzuräumen. Ohne Moralpredigt. Dafür mit klaren Gegenmassnahmen, die im KMU-Alltag funktionieren.
Realität: RAID schützt primär gegen den Ausfall einer Festplatte, nicht gegen Datenverlust. Löschen, Verschlüsseln durch Ransomware, falsche Rechte, kaputtes Dateisystem, Controller-Defekt – all das repliziert RAID brav mit. Heise bringt’s auf den Punkt: RAID ersetzt kein Backup.
Was stattdessen tun:
Realität: Cloud-Anbieter sichern ihre Plattform – aber Ihre Datenverantwortung bleibt. Das ist exakt der Kern des Shared-Responsibility-Modells: Wer was absichert, hängt vom Servicemodell ab – und Kundenseite bleibt immer ein Teil der Verantwortung. [Quelle: Microsoft Learn]
Was stattdessen tun:
Realität: Papierkörbe sind praktische Komfortfunktionen – aber kein Backup-Plan. Beispiel SharePoint/OneDrive: Standard- und zweiter Papierkorb ergeben zusammen typischerweise rund 93 Tage – danach wird’s dünn, je nach Policy und Szenario. [Quelle: Microsoft Learn]
Was stattdessen tun:
Realität: Snapshots sind oft der schnellste Weg zurück, aber häufig im selben Storage/Account/Trust-Bereich wie die Produktivdaten. Wenn Ransomware Admin-Rechte bekommt oder Storage-Zugriffe kompromittiert sind, sind Snapshots gerne gleich mit betroffen.
Was stattdessen tun:
Realität: Synchronisation ist… Synchronisation. Sie kopiert auch Fehler. Wenn jemand „2025_final_final“ löscht oder verschlüsselt, landet genau das auf dem Ziel. Schnell, zuverlässig – und katastrophal konsequent.
Was stattdessen tun:
Realität: Ein grüner Haken heisst nur: Irgendetwas ist gelaufen. Die entscheidende Frage lautet: Können wir wiederherstellen – in der Zeit, die das Business akzeptiert? Ohne Restore-Test bleibt Backup ein Gefühl, kein Nachweis.
Was stattdessen tun:
Realität: Das BSI ist da sehr klar: Backups sind eine der wichtigsten präventiven Massnahmen, um Verfügbarkeit nach einem Ransomware-Vorfall wiederherzustellen – und sie sollten offline bzw. isoliert vorliegen. [Quelle: BSI]
Warum? Weil Angreifer heute gezielt Backups suchen und zerstören, bevor sie verschlüsseln.
Was stattdessen tun:
Realität: „Alles“ klingt gut, ist aber häufig teuer, langsam und unübersichtlich. In der Praxis endet das in Backups, die zu lange laufen – und Restores, die niemand beherrscht. Für viele KMU ist gezielte Priorisierung die bessere Strategie: Was ist geschäftskritisch? Was muss wie schnell zurück?
Was stattdessen tun:
Realität: Offsite ist wichtig, aber nicht automatisch sicher. Wenn Offsite per VPN/SMB „dauerverbunden“ ist und dieselben Credentials nutzt, ist es im Zweifel nur ein weiteres Laufwerk im selben Angriffsraum. Moderne Regeln ergänzen deshalb Isolation und Unveränderlichkeit (Stichwort: 3-2-1).
Was stattdessen tun:
Realität: In Stresssituationen zählt keine Theorie, sondern ein geübter Ablauf. Wer hat Zugriff? Wo liegen Keys/Passwörter? Welche Systeme zuerst? Wie kommunizieren wir? Ohne Plan wird Restore zum Improvisationstheater – und kostet genau dann Zeit, wenn sie am teuersten ist.
Was stattdessen tun:
Kurze Selbstprüfung:
RAID, Cloud, Snapshots, Papierkorb, Replikation – all das sind wertvolle Bausteine. Aber sie werden erst dann zu „Backup“, wenn am Ende ein Versprechen steht, das du einlösen kannst:
„Wir bekommen die Daten zurück – vollständig, sauber, rechtzeitig.“
Wenn Sie bei einem der Mythen innerlich genickt haben: perfekt. Dann haben Sie gerade die Stellen gefunden, an denen sich mit überschaubarem Aufwand die grösste Resilienz holen lässt. Und genau da lohnt es sich, nicht länger auf Hoffnung zu setzen, sondern auf ein Backup-Konzept, das Restore wirklich kann.
Das sind weitere Beiträge, die Sie interessieren könnten.
Zur Blogübersicht