S3-kompatibler Object Storage wird oft mit Backup und Archivierung assoziiert – dabei eignet er sich genauso als Cloudspeicher für den täglichen Gebrauch. Dateien hochladen, organisieren, teilen, versionieren – alles über die S3-API. Was fehlt, ist ein vernünftiger Client, der die Verbindung herstellt.
Kurze Anmerkung vorweg: Backup ONE bietet mit
FileSync auch eine fixfertige File Sync & Share Lösung mit Datenstandort Schweiz – inklusive Desktop-Client, Mobile-App und Webinterface. Wer eine Lösung à la Dropbox oder OneDrive sucht, aber mit Schweizer Datenhaltung, ist dort richtig. Dieser Beitrag richtet sich an alle, die sich lieber direkt mit der S3-API beschäftigen und Swiss S3 mit eigenen Tools als Cloudspeicher nutzen wollen – ohne dedizierten Sync-Client.
Konkret zeigen wir, wie du Swiss S3 von Backup ONE mit zwei bewährten S3-Clients einrichtest: S3 Browser auf Windows und Cyberduck auf macOS (und Windows).
Warum Swiss S3 als Cloudspeicher?
Die gängigen Cloudspeicher-Dienste (OneDrive, Google Drive, Dropbox) sind bequem, werfen aber Fragen auf, sobald es um sensible Daten geht: Wo liegen die Daten? Welchem Recht untersteht der Anbieter? Wer hat potenziell Zugriff?
Swiss S3 von Backup ONE bietet eine Alternative, die S3-Kompatibilität mit Schweizer Datensouveränität kombiniert. Die Daten werden georedundant in zwei Schweizer Rechenzentren gespeichert (Zürich und Genf), der Anbieter ist eine Schweizer AG ohne ausländische Muttergesellschaft, und es gilt ausschliesslich Schweizer Recht. Kein CLOUD Act, kein Zugriff durch ausländische Behörden.
Technisch basiert Swiss S3 auf Dell ECS und unterstützt die S3-API nativ – inklusive Features wie Versioning, Server-Side Encryption und Object Lock. Jeder S3-kompatible Client kann sich verbinden. Die beiden populärsten Desktop-Clients dafür sind S3 Browser (Windows) und Cyberduck (macOS/Windows).
Was du brauchst
Bevor du loslegst, stelle sicher, dass du folgende Angaben von Backup ONE erhalten hast:
- S3 Endpoint: Die HTTPS-URL deines Swiss S3 Storage (z.B.
https://s3.backup.ch – die exakte URL erhältst du bei der Einrichtung deines Accounts).
- Access Key: Dein S3-Zugriffsschlüssel (vergleichbar mit einem Benutzernamen).
- Secret Key: Dein geheimer Schlüssel (vergleichbar mit einem Passwort – sicher aufbewahren!).
- Bucket-Name: Der Name deines vorbereiteten Buckets (z.B.
meine-firma-daten).
Falls du noch keinen Account hast: Backup ONE richtet dir einen Swiss S3 Account mit Zugangsdaten und einem initialen Bucket ein. Die Zugangsdaten werden sicher übermittelt.
S3 Browser einrichten (Windows)
S3 Browser ist ein kostenloser S3-Client für Windows, der sich auf die Arbeit mit S3-kompatiblem Storage spezialisiert hat. Die Oberfläche erinnert an einen klassischen Dateimanager – links die Buckets, rechts die Dateien. Download unter
s3browser.com.
Schritt 1: Neues Konto anlegen
Beim ersten Start öffnet sich automatisch der Dialog «Add New Account». Falls nicht, findest du ihn unter
Accounts → Add New Account. Fülle die Felder wie folgt aus:
- Display Name: Ein frei wählbarer Name, z.B. «Swiss S3 – Backup ONE».
- Account Type: Wähle S3 Compatible Storage aus dem Dropdown.
- REST Endpoint: Trage den S3-Endpoint ein, den du von Backup ONE erhalten hast.
- Access Key ID: Dein Access Key.
- Secret Access Key: Dein Secret Key.
Schritt 2: SSL/TLS aktivieren
Stelle sicher, dass die Option
Use secure transfer (SSL/TLS) aktiviert ist. Swiss S3 unterstützt ausschliesslich HTTPS – unverschlüsselte Verbindungen werden abgelehnt. Das ist kein Bug, sondern Absicht: Daten sollen nie unverschlüsselt über die Leitung gehen.
Schritt 3: Verbindung testen
Klicke auf
Add new account. S3 Browser verbindet sich mit dem Endpoint und zeigt deine Buckets an. Falls die Verbindung fehlschlägt, prüfe:
- Ist der Endpoint korrekt (inkl.
https://)?
- Stimmen Access Key und Secret Key?
- Blockiert eine Firewall oder ein Proxy den HTTPS-Zugang zum Endpoint?
Schritt 4: Dateien verwalten
Nach der Verbindung kannst du sofort loslegen. Die wichtigsten Operationen:
- Upload: Dateien oder ganze Ordner per Drag & Drop in den Bucket ziehen oder über Upload → Upload File(s).
- Download: Dateien auswählen und per Drag & Drop auf den Desktop ziehen oder über Download.
- Ordnerstruktur: S3 kennt technisch keine Ordner, simuliert sie aber über Prefixes. S3 Browser zeigt Prefixes als Ordner an – du kannst Ordner anlegen und darin navigieren wie in einem normalen Dateisystem.
- Löschen: Dateien markieren und Delete klicken. Wenn Versioning auf dem Bucket aktiv ist, wird ein Delete Marker gesetzt – die Datei ist dann nicht gelöscht, sondern versteckt und kann wiederhergestellt werden.
Nützliche S3 Browser-Features
S3 Browser bietet einige Features, die im Alltag nützlich sind:
- ACL-Verwaltung: Du kannst Access Control Lists pro Datei oder Bucket setzen, ohne die Konsole zu bemühen.
- Multipart Upload: Grosse Dateien werden automatisch in Teilen hochgeladen. Das ist schneller und erlaubt ein Wiederaufsetzen bei Verbindungsabbrüchen.
- Server-Side Encryption: Unter Tools → Options → General kannst du SSE für neue Uploads aktivieren.
- Lifecycle Rules: Falls du Daten nach einer bestimmten Zeit automatisch löschen willst, kannst du Lifecycle-Regeln direkt im S3 Browser konfigurieren.
Cyberduck einrichten (macOS und Windows)
Cyberduck ist ein Open-Source-Client für macOS und Windows, der neben S3 auch FTP, SFTP, WebDAV und diverse Cloud-Protokolle unterstützt. Download unter
cyberduck.io. Cyberduck hat mit Mountain Duck auch einen Ableger, der S3-Buckets als Netzlaufwerk ins Betriebssystem einbindet – dazu weiter unten mehr.
Schritt 1: Verbindungsprofil wählen
Öffne Cyberduck und klicke auf
Neue Verbindung (oder das «+» Symbol unten links für ein Lesezeichen). Im Protokoll-Dropdown wählst du
Amazon S3. Cyberduck nutzt standardmässig die AWS4-HMAC-SHA256 Signatur – das ist kompatibel mit Dell ECS und Swiss S3.
Falls dein Endpoint ein spezielles Connection Profile benötigt: Unter
Einstellungen → Profile kannst du zusätzliche S3-Profile aktivieren. Für Swiss S3 reicht in der Regel das Standard-S3-Profil.
Schritt 2: Verbindungsdaten eingeben
Fülle die Felder im Verbindungsdialog aus:
- Server: Den S3-Endpoint von Backup ONE eintragen (ohne
https:// – Cyberduck ergänzt das Protokoll automatisch basierend auf dem gewählten Profil).
- Port: 443 (Standard für HTTPS).
- Access Key ID: Dein Access Key.
- Secret Access Key: Dein Secret Key (wird beim Verbinden abgefragt, falls nicht im Lesezeichen gespeichert).
Unter
Weitere Optionen kannst du einen
Pfad angeben, wenn du direkt in einen bestimmten Bucket navigieren willst (z.B.
/meine-firma-daten).
Schritt 3: Path Style vs. Virtual Hosted Style
S3 kennt zwei Adressierungsarten für Buckets: Virtual Hosted Style (
bucket.endpoint.com) und Path Style (
endpoint.com/bucket). Dell ECS unterstützt beide. Cyberduck verwendet standardmässig Virtual Hosted Style. Falls du bei der Verbindung Fehlermeldungen erhältst, prüfe mit Backup ONE, welcher Stil konfiguriert ist, und passe die Cyberduck-Einstellungen entsprechend an.
Schritt 4: Dateien verwalten
Nach der Verbindung zeigt Cyberduck die Buckets und deren Inhalte in einer Dateimanager-Ansicht. Die wichtigsten Operationen:
- Upload/Download: Per Drag & Drop oder über Datei → Upload / Download.
- Neue Ordner: Über Datei → Neuer Ordner erstellst du Prefixes, die als Ordner angezeigt werden.
- Info-Panel: Rechtsklick → Informationen zeigt Metadaten, Berechtigungen und die Web-URL einer Datei.
- Versioning: Wenn Versioning auf dem Bucket aktiv ist, kannst du über Darstellung → Versteckte Dateien anzeigen ältere Versionen sichtbar machen.
Bonus: Mountain Duck – S3 als Netzlaufwerk
Wer Swiss S3 wie einen lokalen Ordner nutzen will, sollte sich Mountain Duck anschauen. Mountain Duck stammt von denselben Entwicklern wie Cyberduck und bindet S3-Buckets als Netzlaufwerk direkt ins Betriebssystem ein – auf macOS als Volume im Finder, auf Windows als Laufwerksbuchstabe im Explorer.
Die Konfiguration ist identisch zu Cyberduck: S3-Profil wählen, Endpoint und Credentials eintragen, verbinden. Der Unterschied: Statt in einem separaten Dateimanager-Fenster erscheint der Bucket als normales Laufwerk. Du kannst Dateien direkt aus jeder Applikation heraus öffnen und speichern – so wie du es von einem Netzlaufwerk gewohnt bist.
Mountain Duck cached Dateien lokal und synchronisiert Änderungen im Hintergrund. Für die tägliche Arbeit mit Dokumenten, die auf Swiss S3 liegen sollen, ist das die komfortabelste Lösung. Mountain Duck ist allerdings kostenpflichtig (Einmallizenz).
Worauf du achten solltest
Bucket-Naming-Konventionen
Bucket-Namen müssen DNS-kompatibel sein: nur Kleinbuchstaben, Ziffern und Bindestriche, keine Punkte, keine Underscores, 3 bis 63 Zeichen lang. Ein Name wie
Meine_Firma_2025 wird abgelehnt –
meine-firma-2025 funktioniert.
Verschlüsselung
Swiss S3 verschlüsselt den Transport über HTTPS und die Daten auf dem Storage (Encryption at Rest). Wenn du zusätzlich clientseitige Verschlüsselung willst, kannst du Tools wie
Cryptomator verwenden – Cyberduck hat dafür sogar eine eingebaute Integration. Damit werden Dateien vor dem Upload verschlüsselt, und selbst Backup ONE hat keinen Zugriff auf den Klartext.
Versioning aktivieren
Wenn du Swiss S3 als Cloudspeicher für Dokumente nutzt, empfiehlt sich Versioning auf dem Bucket. Damit behältst du ältere Versionen jeder Datei und kannst versehentliche Überschreibungen oder Löschungen rückgängig machen. Beachte, dass Versioning den Speicherverbrauch erhöht, weil alte Versionen aufbewahrt werden. Lifecycle Rules helfen, alte Versionen nach einer definierten Frist automatisch zu entfernen.
Zugriffsmanagement mit IAM Policies
Für Teams empfiehlt es sich, nicht einen einzigen Access Key für alle zu verwenden, sondern pro Benutzer oder Anwendung eigene Keys mit eingeschränkten Berechtigungen zu erstellen. Swiss S3 auf Dell ECS unterstützt IAM Policies, mit denen du granular steuern kannst, wer auf welche Buckets und Prefixes zugreifen darf. Backup ONE bietet dafür auch einen kostenlosen S3 IAM Policy Generator auf der Website.
Performance-Tipps für grosse Dateien
Sowohl S3 Browser als auch Cyberduck unterstützen Multipart Upload – grosse Dateien werden automatisch in Teilen hochgeladen. Das passiert ab ca. 100 MB standardmässig. Die Upload-Geschwindigkeit hängt von deiner Internetverbindung und der Anzahl paralleler Verbindungen ab. In Cyberduck kannst du die Anzahl paralleler Transfers im Transfer-Fenster anpassen. In S3 Browser findest du die Einstellung unter
Tools → Options → General → Upload.
Typische Einsatzszenarien
Swiss S3 als Cloudspeicher mit S3 Browser oder Cyberduck eignet sich besonders für folgende Szenarien:
- Dokumentenablage für KMU: Verträge, Offerten, Projektdokumentationen – alles zentral auf Schweizer Storage, versioniert und per HTTPS zugänglich. Kein Sync-Agent nötig, kein Vendor Lock-in.
- Austausch mit externen Partnern: Über Pre-Signed URLs kannst du Dateien temporär freigeben, ohne dem Empfänger einen S3-Zugang einzurichten. S3 Browser kann solche URLs direkt generieren.
- Archiv für regulierte Daten: Unternehmen, die dem nDSG oder der FINMA unterliegen, können sensible Daten auf Swiss S3 ablegen und sind sicher, dass die Daten in der Schweiz bleiben und Schweizer Recht unterliegen.
- Medien und Assets: Fotos, Videos, Designdateien – grosse Dateien, die nicht in E-Mails oder Chat-Tools passen. Upload via Drag & Drop, Download jederzeit.
- Ergänzung zum lokalen NAS: Swiss S3 als Off-Site-Kopie der wichtigsten NAS-Daten – manuell via S3 Browser/Cyberduck oder automatisiert über CLI-Tools wie
s3cmd oder rclone.
Fazit
Swiss S3 mit S3 Browser oder Cyberduck einzurichten dauert keine fünf Minuten – Endpoint, Access Key, Secret Key, fertig. Was du dafür bekommst, ist ein Schweizer Cloudspeicher mit S3-API, georedundanter Speicherung, Versioning und Verschlüsselung, der sich mit jedem S3-kompatiblen Tool verbinden lässt. Kein proprietärer Client, kein Vendor Lock-in, kein Datenabfluss ins Ausland.
Falls du nach der Lektüre doch merkst, dass du lieber eine fixfertige Sync & Share Lösung mit Desktop-Client und Webinterface willst: Schau dir
FileSync an – Schweizer Cloudspeicher mit denselben Datenschutz-Vorteilen, aber ohne S3-Konfiguration.
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