Es gibt Entscheidungen, die eine ganze Branche zum Umdenken zwingen. Die Broadcom-Übernahme von VMware war so eine. Seit die neuen Lizenzmodelle und Bundling-Bedingungen auf dem Tisch lagen, wurde aus der Frage «Bleiben wir bei VMware?» für viele KMU plötzlich eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Und aus der theoretischen Alternative Proxmox wurde innerhalb weniger Monate der neue Standard im Schweizer Mittelstand.
Was dabei oft übersehen wird: Ein Hypervisor-Wechsel ist kein reines Virtualisierungsthema. Er verändert auch, wie Sie sichern, wiederherstellen und Ihre Business Continuity planen müssen. Wer ESXi einfach durch Proxmox VE ersetzt und den alten Backup-Job weiterlaufen lässt, baut sich eine Lücke, die erst im Ernstfall auffällt.
Die technischen Argumente für Proxmox sind nicht neu. KVM als Hypervisor, LXC für Container, ZFS als Storage-Basis, Ceph für verteilte Umgebungen – diese Komponenten sind seit Jahren erprobt. Was sich verändert hat, ist die wirtschaftliche Gleichung. Wo VMware vSphere Essentials Plus früher für wenige tausend Franken pro Jahr zu haben war, sehen sich KMU heute mit Subscription-Modellen konfrontiert, die teilweise das Fünf- bis Zehnfache kosten. Für Betriebe mit zehn bis fünfzig virtuellen Maschinen ist das kein Verhandlungsspielraum mehr, sondern ein Migrationsgrund.
Proxmox VE ist Open Source, kommt aus Wien, lässt sich ohne Lizenzkosten produktiv betreiben und bietet mit einem optionalen Enterprise-Subscription einen kalkulierbaren Support-Pfad. Genau diese Kombination trifft den Nerv von IT-Verantwortlichen, die Kosten im Griff behalten und gleichzeitig auf europäische Technologie setzen wollen.
Hier beginnt das Problem. Viele Migrationen werden technisch sauber durchgeführt. VMs werden konvertiert, Netzwerke neu konfiguriert, Storage angeschlossen. Was seltener mitgedacht wird, ist die Backup-Architektur. Die Logik lautet oft: «Wir hatten Veeam unter VMware, wir nehmen jetzt den Proxmox Backup Server, das reicht.» Auf dem Papier stimmt das. In der Praxis ist es nur die halbe Antwort.
Der Proxmox Backup Server (PBS) ist ein exzellentes Werkzeug. Er beherrscht inkrementelle Backups, Deduplizierung, Verschlüsselung und ist tief in Proxmox VE integriert. Aber er ist, wenn er im gleichen Rechenzentrum oder im gleichen Netzwerksegment steht wie die Produktivumgebung, im Ernstfall genauso angreifbar wie jedes andere System. Ein Ransomware-Vorfall, ein Ausfall des Storage-Clusters, ein Brand im Serverraum – in all diesen Szenarien nützt ein lokaler PBS genau gar nichts.
Die Frage nach der Migration ist also nicht «Welchen Backup-Server nehmen wir?», sondern «Wo liegen unsere Backups ausserhalb der Produktivumgebung, und wie stellen wir sicher, dass sie auch dann verfügbar sind, wenn das Primärsystem komplett verloren ist?»
Die alten Regeln funktionieren weiterhin. Drei Kopien der Daten, auf zwei unterschiedlichen Medientypen, eine davon ausserhalb des Standorts. Was sich ändert, ist die Umsetzung.
Der Proxmox Backup Server eignet sich hervorragend als primäres Backup-Ziel im eigenen Rechenzentrum. Er bietet kurze Wiederherstellungszeiten, granulare Restores und eine saubere Integration in die VE-Oberfläche. Für die zweite Kopie ausserhalb des Standorts braucht es jedoch einen Mechanismus, der PBS-Inhalte sicher in eine unabhängige Umgebung repliziert. Proxmox bietet dafür die Remote-Sync-Funktion an, mit der ein zweiter PBS an einem anderen Standort die Backups übernimmt.
Für KMU, die keinen zweiten Standort mit eigener Hardware betreiben wollen, ist das der Punkt, an dem ein spezialisierter Schweizer Cloud-Anbieter ins Spiel kommt. Ein PBS bei Backup ONE, gehostet in einem georedundanten Schweizer Cluster, liefert genau die zweite Ebene, die eine 3-2-1-Strategie verlangt – ohne dass Sie selbst zweite Hardware betreiben müssen.
Ein Punkt, der in der Migrationshektik oft untergeht: Unveränderlichkeit. Unter VMware mit Veeam und einem Object-Storage-Target war Immutable Backup ein etabliertes Muster. In der Proxmox-Welt ist das Konzept noch nicht überall angekommen.
Der Proxmox Backup Server unterstützt Verifikation und Pruning, aber die echte Unveränderlichkeit entsteht erst durch die Speicherschicht. Wer seine Backups auf ein S3-kompatibles Object Storage mit Object Lock repliziert, bekommt genau das, was moderne Ransomware-Szenarien voraussetzen: Daten, die für eine definierte Zeit niemand – auch kein Administrator, auch kein Angreifer mit gestohlenen Credentials – verändern oder löschen kann. Ohne diese Schicht bleibt jedes Backup theoretisch manipulierbar, und genau darauf zielen moderne Angriffsmuster ab.
Nach rund eineinhalb Jahren Migrationswelle zeichnen sich Muster ab. Die häufigsten Fehler sind nicht technischer, sondern organisatorischer Natur.
Die VMware-Backup-Lösung wird stillschweigend abgeschaltet. Oft läuft der alte Backup-Agent noch parallel, liefert aber keine sinnvollen Ergebnisse mehr. Irgendwann wird er deaktiviert, ohne dass der Ersatz vollständig funktioniert. Ein Zeitfenster von wenigen Wochen, in dem niemand genau weiss, welche Systeme wie gesichert sind.
Der PBS steht auf demselben Host. Aus Kostengründen wird der Proxmox Backup Server als VM auf dem gleichen Cluster betrieben, den er sichern soll. Das funktioniert, solange nichts passiert. Fällt der Cluster aus, ist auch das Backup nicht erreichbar.
Restore-Tests werden verschoben. Die Migration hat Ressourcen gebunden, jetzt will man produktiv werden. Der Restore-Test wird auf «nächsten Monat» verschoben. Und dann auf übernächsten. Die wenigsten Unternehmen messen ihre RTO im Realfall, und genau deshalb erreichen sie sie nicht.
Retention-Politik wird nicht übertragen. Unter VMware gab es oft klare Aufbewahrungsregeln, die in die Backup-Software eingetragen waren. Im PBS muss diese Logik neu definiert werden, und zwar pro Datastore und pro Namespace. Wer das nicht sauber macht, hat entweder zu wenig Historie oder zu viele Daten.
Wer heute von VMware auf Proxmox wechselt, sollte die Gelegenheit nutzen, die Backup-Architektur nicht nur zu übersetzen, sondern neu zu denken. Die zentralen Bausteine sind überschaubar.
Ein lokaler Proxmox Backup Server für schnelle Restores im Alltag. Eine Replikation in ein unabhängiges Ziel ausserhalb des Standorts, idealerweise in einen georedundanten Schweizer Cloud-Cluster. Eine unveränderliche Aufbewahrungsschicht, die auch einem kompromittierten Admin-Account standhält. Klar definierte Retention-Regeln, die sich aus den geschäftlichen Anforderungen ableiten, nicht aus dem Bauchgefühl. Und regelmässige Restore-Tests, bei denen nicht nur geprüft wird, ob ein Backup existiert, sondern ob aus einem Backup innerhalb der gewünschten Zeit ein lauffähiges System wird.
Das ist keine Raketenwissenschaft, aber es ist Arbeit. Und genau diese Arbeit wird in der Hektik einer Migration gerne nach hinten geschoben.
Proxmox ist eine exzellente Plattform. Sie ist erwachsen geworden, sie ist wirtschaftlich, sie passt zur DNA vieler Schweizer KMU. Aber ein Hypervisor, egal welcher, ist kein Schutz gegen Datenverlust. Der Schutz entsteht durch eine Backup-Strategie, die konsequent umgesetzt, regelmässig getestet und ehrlich dokumentiert ist.
Wer jetzt migriert, hat einen seltenen Vorteil: Die Infrastruktur wird ohnehin angefasst. Das ist der beste Moment, um die Backup-Architektur nicht einfach zu übersetzen, sondern auf ein Niveau zu heben, das zu den Anforderungen von 2026 passt. Mit einem unabhängigen Offsite-Ziel, mit Immutability auf Speicherebene, mit klaren Verantwortlichkeiten und mit einem Restore-Plan, der mehr ist als ein Dokument auf dem Share.
Die VMware-Ära ist für viele KMU vorbei. Die Backup-Ära hat gerade erst begonnen.
Backup ONE betreibt einen georedundanten Schweizer Cloud-Storage-Cluster, der sich nahtlos als Remote-Ziel für Proxmox Backup Server einbinden lässt. Die Daten bleiben in der Schweiz, sind mehrfach verschlüsselt und auf Wunsch mit Object Lock unveränderlich gespeichert. Für KMU, die nach der Migration eine saubere 3-2-1-Strategie aufsetzen wollen, ist das der pragmatische Weg: lokaler PBS für die Geschwindigkeit, Backup ONE für die Unabhängigkeit.
Wenn Sie gerade migrieren oder die Migration planen, lohnt sich ein kurzes Gespräch, bevor die Backup-Architektur festgezurrt ist. Wir schauen uns Ihre Umgebung an und zeigen, wie sich der zweite Standort ohne eigene Hardware umsetzen lässt.
Unsicher, ob Ihre Proxmox-Backups den Ernstfall überstehen? Sprechen Sie mit uns – wir prüfen Ihre Architektur und zeigen, wo die Lücken sind.
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